<i-D> Internet + Design: Die Agentur

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TLZ, 27.09.2000

Mittwoch, 27. September 2000, TLZ [E. Otto, P. Michaelis]

Die »starke Mitte« löst das »grüne Herz« ab

Thüringen auf Briefen, Broschüren und auch im Internet mit neuem Image

Kreativität  beginnt mit einem leeren Blatt Papier. In Gotha füllte sich der weiße Bogen zunächst mit allerlei Notizen: »Kraft in der Mitte«, »Herz mit Verstand«, »Tradition und Moderne« notierte Christine Beckert mit flinker Feder. Die Designerin unterbrach aber immer wieder die Schaffensphasen, fragte Freunde und Bekannte. »Wie seht ihr Thüringen?« »Was ist euch wichtig dabei?« Die erste Antwort sei prompt das »grüne Herz« gewesen. Doch gerade dieses angestaubte Image galt es abzustreifen. Und so wurde in der kleinen Dachgeschoßwohnung vis á vis der Bauschule »Deutschlands starke Mitte« geboren – der künftige Slogan Thüringens.

Er gehört zum neuen Erscheinungsbild des Freistaats, das sich in Zeiten von Internet und Globalisierung jetzt »Corporate Design« nennt und von Ministerpräsident Bernhard Vogel heute offiziell vorgestellt wird. Auf Briefbogen, Faxen und Visitenkarten, aber auch im Internet wird künftig neben dem Schriftzug des Freistaats und der »starken Mitte« die Silhouette Deutschlands auftauchen.

Und die stammt aus Weimar. »Wir haben eine Art Baukasten entwickelt«, sagen die Designer über ihr System. Die Erklärung des Prinzips klingt abgeklärt, und prompt kommt einem der Gedanke, mit ganz alten Hasen zu sprechen, aber Fehlanzeige. Jana Rogge (22) und Dirk Hildebrandt (24) studieren an der Bauhaus-Uni visuelle Kommunikation beziehungsweise Mediengestaltung und haben ihre Firma »i-D« (Internet und Design) erst im vergangenen Jahr gegründet. Im Internet haben sie von der Ausschreibung der Landesregierung erfahren.

»Eines Nachts ist uns dann die Idee gekommen«, erinnert sich Jana. Und wieder begann alles mit einem weißen Blatt Papier. Ganz langsam und unzählige Pizzas, chinesische Schnellgerichte und Kaffees später entstand der Deutschland-Umriß, durchzogen von einer Linie, die eine Stufe bildet und an der Stelle Thüringens ein Quadrat beschreibt. »Darin ist Platz für die unterschiedlichen Logos der Ministerien«, erklärt Dirk. Eine Feder mit Tintenfaß und Brief steht für die Staatskanzlei, drei Zahnräder für das Wirtschaftsressort, ein Atomium nebst Cello trägt das ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Briefkopf. Auch Farbe bekennen wird jedes Ministerium gesondert. Ein dezentes silbergrau ist für Finanzen vorgesehen, die Justiz trägt gelb, Umwelt ist grün.

Ob bei so viel Arbeit überhaupt noch Zeit für die Uni bleibt? »Natürlich«, bekräftigen die Jungunternehmer. Das  sei vielmehr die Umsetzung des Studiums in praktische Projekte. Etwa 1000 Arbeitsstunden, schätzen die Weimarer, haben sie insgesamt in ihr Meisterstück investiert. Und einen ersten Eindruck über die Zusammenarbeit mit Behörden konnte sie auch sammeln. »Es  dauert ne ganze Weile, bis alles so durchsickert.«